Faire Wettbewerbe

Wo jemand gewinnt, verliert dafür auch jemand anderes.

Wettbewerbe sind schnell ins Leben gerufen. Sie werden genutzt, um eine große Bandbreite an Designern anzuregen, zu einem Thema Entwürfe oder Konzepte zu entwerfen. Zurücklehnen und für sich gestalten lassen – zum Schluss werden die attraktivsten Designs vom Veranstalter oder einer Jury als Gewinner gekürt.

Wir möchten doch alle gerne einmal Gewinner sein.

Was auf den ersten Blick meist schmackhaft klingt, kann ebenso schnell einen schalen Beigeschmack bekommen, wenn es um die Fairness eines Wettbewerbs geht.


Wettbewerb
Das Streben mindestens zweier Parteien nach einem Ziel. Das Erreichen des Ziels einer Partei wird bedingt durch das Nichterreichen des Ziels der anderen. Es gibt immer Gewinner und Verlierer.

Fairness
Die gesellschaftlich-moralische und individuelle Vorstellung von Gerechtigkeit. Als fair empfunden wird eine angemessene, gerechte und ehrliche Haltung gegenüber Mitmenschen z.B. sich an Spielregeln zu halten.


Die Grundregeln eines fairen Wettbewerbs

Du denkst als Lettering Künstler, Hobby-Letterer oder Designer darüber nach an einem Gestaltungs-Wettbewerb teilzunehmen? Hier sind die 10 Dinge, an denen du einen fairen Wettbewerb erkennst.

Wenn diese Punkte auf den Wettbewerb zutreffen, kannst du guten Gewissens teilnehmen. Was passieren kann, wenn du an einem Wettbewerb teilnimmst, der nicht nach den Regeln spielt, steht am Ende des Artikels.

1. Transparenz

Die Wettbewerbsregeln werden klar formuliert und schriftlich festgehalten. So hast du eine Rechtsgrundlage, falls eine der Seiten ihre Pflichten nicht einhält oder du deine Rechte einfordern möchtest.


2. Eindeutige Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung ist vom Wettbewerbs-Veranstalter so konkret wie möglich anzugeben, damit du dir nicht umsonst die Arbeit machst.
Es kann sich entweder um einen Ideen-Wettbewerb (Konzepte) handeln oder einen Gestaltungs-Wettbewerb (Designs).

3. Zielgruppe

Will ein Wettbewerb professionelle Ergebnisse erzielen, spricht er auch gezielt professionelle Gestalter an. Gerade in unserer Szene sind Können und beruflicher Status nicht zwangsweise miteinander verknüpft: Man kann Geld verdienen, auch wenn man nicht exzellent ist und man kann im Hobbybereich herausragende Werke erzeugen ohne dies je zum Beruf zu machen.
Der berufliche Stand, die Follower-Menge und auch das Alter sind keine Kennzeichen der gestalterischen Leistung.
Sollte sich ein Wettbewerb ausschließlich an Schüler und Laien richten, muss dies entsprechend kommuniziert werden. Korrekterweise wäre dies ein „Malwettbewerb“ und kein „Illustrations- oder Gestaltungswettbewerb“.

4. Gleichbehandlung aller Teilnehmer

Alle Einsendungen müssen gleichberechtigt behandelt werden. Bei Gestaltungswettbewerben sollten also alle Werke in der gleichen Größe und Platzierung präsentiert werden.
Schwierig wird es auf Sozialen Plattformen wie Instagram, die durch kleine Darstellungsgrößen mehrere Beiträge nur hintereinander oder nebeneinander möglich machen.

5. Jury

Schon mit der Ausschreibung müssen die potenziellen Teilnehmer wissen, wer ihre Arbeiten bewertet. Die gestalterischen Berufsverbände sprechen sich dafür aus bei einem Fachwettbewerb mindestens die Hälfte der Jury mit Fachleuten der betreffenden Sparte zu besetzen.

Bei Abstimmungen und Bewertungen sollte die Entscheidung für den Gewinner lediglich auf der Qualität des Beitrags beruhen. Um eine Voreingenommenheit zu verhindern, können Beiträge anonym der Jury präsentiert werden.

Sollte die Abstimmung per Social-Media-Umfragen erfolgen, ist die Jury das breite Publikum. In solchen Fällen bietet sich auch die anonyme Präsentation an, damit Abstimmende unvoreingenommen nach der Qualität und nicht nach Sympathie gegenüber eines bestimmten Einsenders abzustimmen.
Dies sollte in den Wettbewerbsbedingungen schriftlich festgehalten werden. So dürfen auch die Teilnehmer selbst ihr Werk nicht bewerben, um so auf Stimmenfang zu gehen. Bei einem Verstoß gegen die Regeln droht der Ausschluss aus dem Wettbewerb.

6. Preisgeld

Ein fairer Wettbewerb zeichnet sich durch eine Prämie aus, die über dem marktüblichen Preis liegt. Schließlich bekommt der Auslober eine Menge an Vorschlägen, statt nur einem. Warum sollte er dann nicht auch mehr bezahlen, als für einen einzelnen beauftragten Entwurf?

Das Preisgeld ist als Entschädigung für die Arbeitszeit zu sehen, um an dem Wettbewerb teilzunehmen.

7. Nutzungsrechte & Nutzungsgebühr

Um das Design zu nutzen genügt eine Klausel, die dem Auslober erlaubt, die Designs im Rahmen der Kommunikation oder Dokumentation des Wettbewerbs selbst zu nutzen.

Jede Nutzung, die darüber hinausgeht, muss verhandelt und marktgerecht vergütet werden.
Achtung also vor Wettbewerben, die bei der Einreichung bereits sämtliche übertragbaren Rechte an den Veranstalter abtreten!

Alter, Berufsstand oder Professionalität sind keine Faktoren für den Wert deiner Arbeit. Die Berechnung einer Vergütung sollte alleinig auf deiner gestalterischen Leistung beruhen.


8. Haftungsrisiko

Klingt bürokratisch, ist aber recht simpel: In den Wettbewerbsbedingungen muss geklärt sein, wer das Haftungsrisiko für die Verletzungen der Rechte Dritter trägt. In der Regel ist dies der Veröffentlicher.
Gerade der Lettering-Bereich lebt abseits der Gestaltung vom Wort. Schnell kann es passieren, dass eine Phrase, ein Spruch oder gar ein ganzer Text kopiert wird, der rechtlich geschützt ist. Wird er dennoch verbreitet, im schlimmsten Falle auch noch vertrieben (z.B. als Printprodukt) und Dritte werden auf den Verstoß aufmerksam, kommt es zurecht zu einer Klage.

Der laut Bedingungen Haftungsrisiko-Tragende muss also juristisch Markeneintragungen und Urheberrechtsfragen prüfen lassen, um sich nicht haftbar zu machen.

Gehe also sicher,
– dass du selbst keine Urheberrechtsverletzung betreibst.
– dass der Wettbewerbs-Auslober das volle Haftungsrisiko trägt und diesen Rattenschwanz an Konsequenzen nicht auf dich in den Teilnahmebedingungen abwälzt. Sonst gehst du eine existenzbedrohende wirtschaftliche Gefahr ein.


9. Recht auf Namensnennung

Laut §13 des UrhG hat jeder Urheber bei der Veröffentlichung ein Recht auf die Nennung seines Namens.Ein gönnerhaftes „Ist doch Werbung für dich“ – ist damit also kein Argument für die Teilnahme an einem Wettbewerb, sondern dein gutes Recht.

Bestehe jederzeit darauf, dass dein Name in Verbindung mit der Veröffentlichung deines Werkes genannt wird! Sollte der Bewertungsprozess anonym erfolgt sein, sorge dafür, dass spätestens nach der Preisverleihung (auch in allen vorherigen Präsentationen) dein Name ergänzt wird.


10. Respektvoller Umgang mit der erbrachten Leistung

Es sollte selbstverständlich sein, dass nach der Preisverleihung die im Vorfeld festgelegten Bedingungen auch eingehalten werden. Insbesondere die vereinbarte Nutzung sollte nicht ohne Absprache vom Auslober eigenständig ausgeweitet werden.


Was ist, wenn du einen unfairen Wettbewerb veranstaltest?

Dann sorgst du aktiv dafür, dass Lettering als Gestaltungsfeld nicht gewertschätzt wird. Ein Danke als Wertschätzung ist für eine professionelle Gestaltung nicht ausreichen.

Sobald du einen Wettbewerb mit dem Ziel auslobst professionelle Designs, Produkte oder Ideen zu erzeugen, solltest du als Auftraggeber ebenso professionell auftreten und einen fairen Wettbewerb gestalten.

Hinterfrage deine Motivation: Will ich für möglichst wenig Geld möglichst viele Designs bekommen oder ist es mir eigentlich wichtig, dass auch nach dem Wettbewerb alle Parteien mit dem Ergebnis dessen zufrieden sind?

Lettering in Deutschland berät dich gerne bei der Planung deines nächsten Wettbewerbs.

Was ist, wenn du an einem unfairen Wettbewerb teilnimmst?

Die Teilnahme an einem unfairen Wettbewerb kann dir einen unfairen Gewinn, einen unfairen Verlust oder gar rechtliche Folgen einbrocken.

Wenn du teilnimmst, betrifft es leider nicht nur dich selbst, sondern auch alle anderen Letterer und Designer der Gestaltungsbranche.

Du sorgst aktiv dafür, dass es okay ist unfair zu sein.
Durch deine Teilnahme werden Firmen, Institutionen und gar Bundesministerien (ja, auch das gab es im letzten Jahr) folgende Grundannahmen weiterhin festigen:
Man muss für gestalterische Leistungen gar kein Geld bezahlen.
Man kann das für lau bekommen.
Die machen das ja gerne.
Die machen das ja sogar freiwillig mit.
Die freuen sich doch über den Fame!

Der Fame bezahlt keinem Kreativem die Miete.

Du bist verantwortlich. Auch, wenn es dich jetzt noch nicht selbst betrifft, hast du vielleicht Familie, Bekannte oder Freunde, die als Kreative tätig sind und regelmäßig ihren Stundenlohn verteidigen müssen oder mal wieder einen Auftrag nicht bekommen, weil die Konkurrenz doch billiger ist.
Wenn du selbst irgendwann Lust hast, dir ein zweites Standbein aufzubauen oder beruflich im Bereich Lettering tätig zu werden, kann dies auf dich zurückfallen.

Es ist noch nicht zu spät!

Sag Nein zu unfairen Wettbewerbsbedingungen

Das geht auch fair! Du musst dich nur dafür einsetzen.